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4. Kirche Saint-Pierre-aux-Liens (1816)


1630 Bulle

Die Kirche wurde nach der Feuersbrunst von 1805 wieder aufgebaut und am 22. September 1816 geweiht. Die grosse Orgel ist das Werk des Orgelbauers Aloys Mooser von Freiburg.

Die ältesten bekannten Hinweise auf die Kirche von Bulle stammen aus dem Jahr 850, doch ihre Gründung liegt vermutlich weiter zurück (6. Jahrhundert). Das Gebäude wurde mehrmals erneuert und umgebaut, vor allem 1750-1751. Von der Feuersbrunst von 1805 wird es nicht verschont: nur ein paar Mauern halten ihm Stand. Der Wiederaufbau dauert viele Jahre. Zur Messe versammeln sich die Mitglieder der Pfarrgemeinde in diesen Jahren in der Kappelle der Notre-Dame de Compassion.

Die grossen Steine für den Wiederaufbau des Glockenturms werden im Winter 1806 in der Region, im Steinbruch von Grandvillard, vorbereitet. Für die Finanzierung der Bauarbeiten werden fünfzehn Lotterien organisiert. Der im September 1808 begonnene Turmbau dauert zwei Jahre.

Für die sechs Glocken des Kirchengeläuts werden zwei vom Kanton Freiburg gekaufte Kanonen geschmolzen. Zusammen mit demjenigen von Salvan (VS) ist es heute das letzte manuell mit Kipphebeln gespielte Geläut. Der Glockenturm bzw. die Kuppel der Kirche ist mit 8850 Weissblech-Tafeln bedeckt.

Beträchtliche Summen werden in den Wiederaufbau der Kirche investiert, die über ihre religiöse Berufung hinaus zum Symbol der Wiederauferstehung und der Dynamik der Stadt wird. Das neue Gebäude wird am 22. September 1816 geweiht. Im Innern der Kirche befindet sich die bemerkenswerte Orgel, die der berühmte Freiburger Orgel- und Pianobauer Aloys Mooser (1770-1839) zwischen 1814 und 1816 konstruiert hat. Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn (1822), Franz Liszt und Georges Sand (1836) zollen dem Instrument ihre Bewunderung. Seit 1973 ist es als historisches Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung registriert.

Im 20. Jahrhundert werden an der Kirche bedeutende Umbauarbeiten vorgenommen. 1932 wird der Chor erweitert; die ursprüngliche, neokloassizistische Dekoration wird entfernt. Sein heutiges Aussehen hat das Gebäude seit den Neugestaltungen von 1973 und 2007.

Im Innern sind zahlreiche Kunstwerke zu bewundern: im Seitenschiff eine Jungfrau mit Kind des Bildhauers Claude Glasson (1679). Diese Statue stand ursprünglich auf der alten Porte d’Enhaut. Im Hauptschiff zwei Gemälde von Joseph Reichlen, eine Anbetung der Hirten (1879) und eine Jungfrau vom Rosenkranz (1890). Im Chor liturgisches Mobiliar aus Bronze vom Bildhauer Antoine Claraz, mit Emaille-Arbeiten von Liliane Jordan (1973-1974) vor einem monochromen Triptychon von Vincent Marbacher (2007). Kirchenfenster von Alexandre Cingria (besonders beachtenswert das Fenster mit dem Martyrium des Heiligen Petrus), Emilio Beretta und Bernard Schorderet. Kreuzweg-Mosaiken und Gewölbemalerei von Emilio Beretta (1931-1932). Die auf dem Vorplatz der Kirche aufgestellte Glocke, die ursprünglich im Glockenturm hing, ist von 1809 datiert.

© Musée Gruérien und Amt für Kulturgüter des Kantons Freiburg.

Aloys Mooser
Geboren am 27.6.1770 in Freiburg, gestorben am 19.12.1839 in Freiburg. Sohn des Joseph Anton Mooser und der Elisabeth Fasel. In erster Ehe verheiratet mit Maria Blanchard, in zweiter Ehe mit Rosa Blicklé. Mooser liess sich bei seinem Vater und im Atelier der Orgelbauerfamilie Silbermann in Strassburg, sowie u.a. in Mannheim und Wien beim Klavierbauer Anton Walter ausbilden. Ende 1796 kehrte er nach Freiburg zurück. Seine Hammerflügel waren sehr begehrt und zu deren Käufern zählten u.a. 1816 Marie-Louise von Österreich und nach 1834 Prinz Nikolai Borissowitsch Yusupow von St. Petersburg. Weltberühmt - nicht zuletzt dank zahlreicher literarischer Zeugnisse - wurde Mooser durch die Erstellung der viermanualigen Orgel von St. Niklaus in Freiburg 1834. Bei dieser realisierte er die geniale Idee eines zum Narthex (Vorhalle) sprechenden Echowerks, die später oft imitiert wurde (z.B. kurz nach Moosers Tod durch die Gebrüder Callinet in Masevaux, Elsass) bzw. zu anderen Fernwerk-Lösungen inspirierte. Die grosse Freiburger Orgel stellt eine interessante Synthese zwischen deutschem und französischem Orgelbau dar und verbindet klassische und frühromantische Elemente. Kleinere Instrumente wie die fast völlig erhaltene zweimanualige Brüstungsorgel von Montorge (Gemeinde Freiburg) von 1810 belegen die Kohärenz und handwerklich-klangliche Qualität der Arbeiten Moosers.

© Historisches Lexikon der Schweiz

Literatur
Informationen zum Gebäude und zur Orgel von Aloys Mooser s. Tafel am Haupteingang der Kirche.
Jean Dubas, Notice historique sur l’église paroissiale de Bulle.
François Seydoux, Les orgues de Saint-Pierre-aux-Liens à Bulle, aperçu historique.

Legende der Archivphotos:
Ansicht der Kirche von Norden, gegen 1920.
© Foto Glasson, Musée Gruérien


1630 Bulle

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