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9. Schloss (1291)


1630 Bulle

Das Schloss, das die Bischöfe von Lausanne, die Herren von Bulle, ab 1291 erbauen liessen, dient noch heute der Verwaltung: Bezirkspräfekt, Gericht und Gendarmerie sind hier untergebracht. Der grosse Turm ist 33m hoch. Der Innenhof ist für die Öffentlichkeit zugänglich.

Gründung
Der Bau des Schlosses dauert vierzig Jahre. Die Arbeiten beginnen 1291 unter dem Lausanner Bischof Guillaume de Champvent und werden 1331 abgeschlossen. Das Gebäude hat die Aufgabe, Bulle gegen die Ansprüche der Grafen von Gruyères und Vasallen von Savoyen, der Grafen von Savoyen in Châtel-Saint-Denis und von Louis von Savoyen in Romont zu verteidigen; letzterer versucht ab 1302, sich in Vaulruz durchzusetzen. Im Mittelalter lässt sich vom Schloss aus eines der zwei Haupttore der Stadt kontrollieren: die Porte d’Enhaut. Die Porte d’En bas (am Ende der Grand-Rue, 1805 zerstört), der kleine Eingang der Poterne (Ausfallpforte) und ein Wall rund um den aktuellen historischen Stadtkern vervollständigen die Verteidigungsanlagen.

Architektur
Obschon die Stadt Bulle nie direkt unter der Herrschaft der Herren von Savoyen stand, liessen sich die Erbauer des Schlosses von deren militärischer Architektur anregen und errichteten es nach einem einfachen geometrischen Plan: ein Rechteck mit vier Ecktürmen, das sogenannte „Carré Savoyard“, das man auch bei den Schlössern von Romont, Morges und Yverdon findet. Der Hauptturm ist ein Donjon mit einem Durchmesser von 13,5 Metern und 33 Meter hoch; im Erdgeschoss sind die Mauern 2,16 Meter dick. Der ursprüngliche Eingang zum Turm liegt 9,7 m über dem Boden. Drei weitere Türmchen sind auf die Schlossmauern aufgesetzt. Ohne den grossen runden Turm ist der Grundriss des Schlosses nahezu quadratisch: er misst 44 x 41 Meter. Im Norden (Haupteingang) und im Süden wird das Viereck von drei massiven Gebäuden gebildet, die im Osten mit einer ebenfalls massiven Mauer verbunden sind. Rund um dieses Viereck verläuft ein 17 Meter breiter Graben. Heute lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob dieser Graben ständig oder nur bei Gefahr mit Wasser gefüllt war. Hingegen weiss man, dass der sogenannte Usiniers-Kanal, die damals einzige Quelle der Stadt für fliessendes Wasser, zwischen dem Schloss und der Linde verlief und das zum Füllen des Grabens nötige Wasser lieferte. Das Schloss besass Ende des 18. Jahrhunderts eine Zugbrücke, deren Befestigungspunkte links und rechts des Haupteingangs immer noch sichtbar sind. Das Schloss ist den beiden verheerenden Stadtbränden von 1447 und 1805 entgangen. Trotz einiger Renovationen und Veränderungen hat es seine Silhouette einer mittelalterlichen Festung bis heute bewahrt.

Verwendung
Im Mittelalter liess sich der Bischof von Lausanne durch einen Schlossherrn und einen Schultheissen vertreten. Der Schlossherr hat das Sorgerecht für das Schloss und hält dort Gericht; er erhebt auch die Abgaben und Steuern, die dem Lehensherrn von den Einwohnern von Bulle zustehen. Der Schultheiss unterstützt den Schlosshern und spricht in erster Instanz Recht. Es ist vorgesehen, dass der Bischof am heutigen Standort des Klosters, im Nachbargebäude des Hospitals, auf zwölf Betten zählen kann, wenn er sich in Bulle aufhält.

Ab 1537, nach der Annektierung der Stadt Bulle durch Freiburg, dient das Schloss den Freiburger Landvögten, den Vorgängern der modernen Regierungsstatthalter, als Wohnsitz. Im 18. Jahrhundert befindet sich links vom Haupteingang auf der Seite der Chapelle de Notre-Dame de Compassion der Pranger, ein kleines Bauwerk, in dem Personen gefesselt und der öffentlichen Demütigung preisgegeben wurden, die sich geringfügiger Vergehen schuldig gemacht hatten. Rechts befindet sich ein Tourniquet, ein drehbarer Käfig, der demselben Zweck diente.

Umbauten
Zwischen 1763 und 1768 wurden im Innern des Schlosses, in der Wohnung des Landvogts und im Audienzsaal, grössere Umbauarbeiten vorgenommen. Im 18. Jahrhunderts ist der Schlossgraben auf der Seite der Linde von einer Häuserreihe mit kleinen Läden gesäumt. Diese Läden werden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch immer höhere Häuser ersetzt, die nach und nach das Schloss verdecken. Ab 1968 lässt die Gemeinde Bulle diese Häuser abreissen.

1854 werden im Südflügel des Schlosses Gefängniszellen eingerichtet. 1946 kommen in der nordöstlichen Ecke neue Zellen hinzu. Nach einer vom Bund überwachten Restaurierungskampagne zwischen 1921 und 1930 wird das Schloss als historisches Denkmal von nationaler Bedeutung klassiert. Beim Bau des neuen Musée Gruérien wird 1976 eine öffentlicher Weg über den Graben angelegt.

Heue dient das Schloss als Verwaltungssitz, mit dem Oberamt des Beriks von La Gruyère, dem Bezirksgericht und der Polizei. Es ist Eigentum des Kantons Freiburg. Der Innenhof ist für die Öffentlichkeit zugänglich.

© Musée Gruérien und Amt für Kulturgüter des Kantons Freiburg

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Die Sektoren „Eine Stadt im Aufschwung“ und „Wechselnde Grenzen“ der Dauerausstellung La Gruyère – Wege und Spuren, im Musée Gruérien.

Literatur
Daniel de Raemy, Châteaux, donjons et grandes tours dans les Etats de Savoie (1230-1330), Cahiers d’archéologie romande 1998, Band 1.
Marc-Henri Jordan, Le château de Bulle, Pro Fribourg, n°93, 1991

Legende der Archivphotos:
Bulle, Blick auf das Schloss von Osten, gegen 1910
© Charles Morel, Musée Gruérien


1630 Bulle

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