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14. Joseph Bovet (1879-1951)


1630 Bulle

Dieses Denkmal wurde 1957 von Antoine Claraz geschaffen. In der Mitte der katholische Geistliche Joseph Bovet (1879-1951), der Komponist religiöser und weltlicher Musik, dem wir das berühmte Volkslied „Le Vieux Chalet“ verdanken.

Abbé Bovet
Joseph Bovet wurde am 8.10.1879 in Sâles (Gruyère) als Sohn des Pierre, Lehrers und Landwirts, und der Marie-Joséphine Andrey geboren. Der Schüler des Collège Saint-Charles in Romont (FR), 1896-1900 am Kollegium St. Michael in Freiburg und 1900-01 in Einsiedeln, besuchte nach einem Studienaufenthalt 1903 im Benediktinerkloster Seckau (A) das Priesterseminar Freiburg. 1905 wurde er zum Priester geweiht. Seine Vikariatszeit verbrachte er 1905-08 in der Pfarrei Notre-Dame in Genf. 1908 nach Freiburg zurückgekehrt, wurde er Gesangslehrer am Lehrerseminar und 1910 am Priesterseminar, 1923 Kapellmeister an der Kathedrale St. Niklaus und 1930 Domherr. Er war Leiter der wichtigsten Ensembles der Stadt, bestimmte das Musikleben im Kanton Freiburg und beeinflusste das musikalische Empfinden der Bevölkerung. Bovet war ein fruchtbarer Komponist; er schuf etwa 2'000 Musikstücke, die Hälfte davon weltliche Werke. Vom einfachen Lied bis zum Festspiel (einem grossen historischen oder Gedächtnis-Schauspiel, das zwischen 1880 und der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen grosse Mode war) fand er oft den richtigen Ton. Der als Meister des Volkslieds anerkannte Abbé Bovet bot dem Volk in einer Zeit, in der die bäuerliche Kultur den Einflüssen der modernen Gesellschaft ausgesetzt war, eine Art musikalische Heimat. Das Lied „Vieux Chalet“ (1911), das Sinnbild seines Schaffens, wurde in der ganzen Schweiz berühmt. Seine Musikfeste, besonders „Grevire“ (1930) und „Mon Pays“ (1934), waren grossartige Inszenierungen eines Landes auf der Suche nach einer neuen Identität. Mit seiner Beteiligung am Caecilianismus, einer Reformbewegung in der Musik der katholischen Kirche, trug Bovet zur Wiederbelebung der religiösen Musik bei. Dank seines Charismas erfreute er sich grosser Popularität. Nach seinem Tod am 10.2.1951 in Clarens (Gemeinde Montreux) errichteten ihm Freiburg und Bulle 1955 bzw. 1957 Denkmäler. Zu Recht wird Bovet als „Vater“ des Chorgesangs und Stütze der kantonalen Identität betrachtet. Als „Rädchen“ im Getriebe der Freiburger „christlichen Republik“ (1880 bis Zwischenkriegszeit) hat Joseph Bovet Strukturen geschaffen, die ihn überdauerten.

© Historisches Lexikon der Schweiz

Der Bildhauer Antoine Claraz
Antoine Claraz wurde am 8. September 1909 in Freiburg geboren. Seine Ausbildung verfolgt er am Kantonalen Technicum, von 1932-1933 an der Kunstakademie (München, Deutschland), danach an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts und im Atelier von L. Simon in Paris. Als Mitglied der GSMBA (Gesellschaft Schweizer Maler, Bildhauer und Architekten), des OEV (L’Œuvre) und des Institut Fribourgeois sitzt er in verschiedenen Kommissionen und Jurys ein. Er stellt in verschiedenen Städten in Einzel- und Gruppenausstellungen aus, beteiligt sich an den Salons Internationaux de la Médaille in Paris, Wien und Rom und gewinnt zahlreiche Preise und Wettbewerbe. 1943 hört Antoine Claraz zu malen auf, um sich nur noch der Bildhauerei zu widmen. Er führt Aufträge für öffentliche und private Auftraggeber aus. Antoine Claraz arbeitet mit grosser Geschicklichkeit mit Materialien wie Ton, Gips, Holz, hartem und weichem Stein, Kupfer und Legierungen. Der Künstler wird für seine Technik des Metalltreibens, -schmiedens und -schweissens anerkannt und wagt sich an sehr grosse Formate. Mit zahlreichen liturgischen Werken macht sich Antoine Claraz auch in der sakralen Kunst einen Namen. Seine Werke sind in der Schweiz in den Kantonen Freiburg, Genf, Wallis, Waadt, Neuenburg, Basel, Schwyz, Zürich, Tessin, Zug, Solothurn und Aargau zu sehen, sowie in Frankreich, Italien, Deutschland, England, U.S.A., Rumänien, Martinique, Ruanda und Togo. In Bulle hat Antoine Claraz den Giebel des Rathauses und das liturgische Mobiliar der Kirche gestaltet. Er starb am 29. Mai 1997 in Freiburg.

© Encyclopédie Larousse

Die Viehmärkte der Place Saint-Denis
Das Denkmal für Abbé Bovet steht seit 1957 mitten auf der Place Saint-Denis. Dieser Platz wurde früher einmal als Marktplatz benutzt. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem Aufkommen der Eisenbahn – die Linie Bulle-Romont wird 1868 geschaffen – erleben die Viehmärkte von Bulle einen beträchtlichen Aufschwung. Die von der Regionalpresse veröffentlichten Zahlen geben Hinweise auf die Dimensionen, die diese Veranstaltung annimmt: Zwischen dem 24. und dem 26. September 1912 werden am Bahnhof Bulle 1218 Stück Vieh zum Transport eingeladen. Sie füllen insgesamt 201 Wagons. Am 24. September 1912 findet der Herbstmarkt statt. Gute Kühe wechseln für 1500 bis 1600 Franken den Besitzer (zum Vergleich: während des Krieges 1914-1918 erhalten die Schweizer Soldaten 80 Rappen Sold pro Tag). 1957 wird der Viemarkt auf den überdachten Markt (heute Espace Gruyère) verlegt.

© Musée Gruérien

Ebenfalls interessant
Die Sektoren „Echo der Bilder“, „Unter dem Zeichen des Kreuzes“ und „Eine Stadt im Aufschwung“ der Dauerausstellung La Gruyère, Wege und Spuren, im Musée Gruérien.
http://www.youtube.com/watch?v=_9Scg3kzpD8

Literatur
Patrice Borcard, Joseph Bovet, 1879-1951, Editions de la Sarine, 1993.
Antoine Claraz, Catalogue d’exposition, Musée d’art et d’histoire, Fribourg, 2000.

Legende der Archivphotos:
Gipsmodell des Bovet-Denkmals in Lebensgrösse, Atelier des Freiburger Bildhauers Antoine Claraz, 1957.
© Alphonse Derungs, Musée Gruérien


1630 Bulle

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